Altes Pfarrhaus Hahn

Geschichte



Zwei Zahlen finden Sich am Pfarrhaus, mit denen sich die Geschichte und die Entwicklung des Pfarrhauses besser greifen lassen. Wenn Sie im Hotel zu Gast sind und vor der Eingangstür stehen erscheinen die römischen Zahlen: MDCCLXXXVI. 1786. Etwas einfacher hat es, wer auf den Torbogen der ehemaligen Scheune schaut, in der heute das Gasthaus zu finden ist. Dort steht in arabischen Zahlen die Jahreszahl 1764. Es gibt also zwei Ursprünge des Gebäudes, welches heute an der Stelle unterhalb der Wallfahrtskirche steht.

Doch die Geschichte eines Pfarrhauses muss auch immer im Zusammenhang mit der Geschichte der Pfarrei und der Pfarrkirche gesehen werden. Wahrscheinlich stand schon im 16. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Kirche ein Bau, welcher von Pilgern besucht wurde. Wohlmöglich wurde die Kapelle zu klein und musste in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der heutigen barocken Kirche weichen. Schon damals war sie damals schon Pfarrsitz, was ein früheres Pfarrhaus an der heutigen oder einer anderen Stelle vermuten lässt. Mit dem größeren Kirchenbau und dem verstärkten Pilgerstrom wurde  wohlmöglich die Notwendigkeit für einen repräsentativeren und größeren Bau gesehen.

Dass zum Gebäude auch ein Wirtschaftsteil gehörte, war zur damaligen Zeit und bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts keine Seltenheit. Pfarrhäuser waren nicht nur Wohnort des Pfarrers, sondern auch Mittelpunkt eines Großlandbesitzes, wie ihn die Kirche zur damaligen Zeit häufig hatte. Oft wurde das Land von Bauern bewirtschaftet, die dafür Abgaben an die Pfarrei abtreten mussten und Pfarrer hielten sich Schweine und Hühner in Eigenregie. So fanden sich in der Scheune neben zahlreichen Schweinetrögen auch Vorrichtungen für eine Hühnerleiter.

Das heutige Gebäude wurde ganz untypisch für die landwirtschaftlich geprägte Eifel mit einem hohen Mansarddach versehen. Bewusst plante der Architekt oder Baumeister, vermutlich ein Herr Le Blanc, das Gebäude mit großen rechteckigen Fenstern. Zusammen mit der für damalige Verhältnisse erstaunlichen Fläche und Größe, strahlen sie auch heute noch den Anspruch und damaligen Repräsentationsgedanken aus.

Großzügig waren auch die Räume im oberen Geschoss, wobei das Pfarrhaus wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um die zwei Stockwerke über dem damaligen Scheunenteil aufgestockt wurde. Neben mehreren kleinen Räumen, u.a. das Schlafgemach und ein Arbeitszimmer des Pfarrers verfügte es über einen großen Konferenzraum, den man mittels Schiebetüren teilen konnte.

Nachdem das Pfarrhaus den Krieg weitgehend unbeschadet überstanden hatte, begann ab 1960 der Dornröschenschlaf des Pfarrhauses. Zwar wurden bei einer Renovierung noch einmal neue Thermofenster eingebaut, doch andere Maßnahmen, wie der Einbau einer Heizung, die Erneuerung des an einigen Stellen morschen Daches und andere wichtige substanzerhaltende Maßnahmen blieben auf der Strecke. Folgerichtig befand sich das Pfarrhaus zu Beginn des neuen Jahrtausends in einem bemitleidenswerten Zustand: Beim Auszug des letzten Pfarrers im Jahre 2004 waren Zweifel angebracht, ob das einst stolze Haus je wieder die Rolle eines ortsbildprägenden Ensembles mit der Kirche einnehmen würde.

Durch die Einbeziehung der Pfarrei Auw in die Pfarreingemeinschaft Sülm-Idenheim wurde seitens der Pfarrei klar, dass das Haus in Zukunft nicht mehr als Residenz des Pfarrers genutztwürde. Nicht nur, dass in Sülm ein renoviertes Pfarrhaus zur Verfügung stand. In Auw zeigten Gutachter des Bistums Investitionsbedarf von mehreren hunderttausend Euro auf, welche für die Pfarrei untragbar waren. Deshalb entschloss man sich, das Pfarrhaus zum Verkauf auszuschreiben.

Erfolgreich war eine Baugemeinschaft ortsnaher Bürger, die das Pfarrhaus kauften, um es zu einem Ort zu machen, an dem Menschen ein und ausgehen, sich wohlfühlen und gerne verweilen. Ein Ort, in dem sich das Alte mit dem Modernen verbindet. Ein Ort, der anknüpfend an seine Geschichte wieder das wird, was er einmal war und heute wieder ist: Ein wunderbares Haus in einer wunderbaren Umgebung.

 
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